Den besonderen Heidelberger Geist beschreibt der Jurist Max Gutzwiller so:
„Überall spürt man Bewegung und die entsprechende Aufnahmebereitschaft, Elastizität und Vielseitigkeit; aber auch selbstverständliche Phantasie, eine künstlerisch anmutende Weite und ein allgemeines ‚artiges’ Wesen.“
Professoren, Studenten, zunehmend auch Frauen, treffen sich in fachübergreifenden Gesprächskreisen oder veranstalten Konzerte und Theateraufführungen. Der Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf formuliert die Inschrift „Dem lebendigen Geist“, die den Eingang des 1931 fertiggestellten Universitätsgebäudes ziert.
Die meisten dieser Kreise empfindet der Nationalökonom Alfred Weber allerdings als weltfremd, da sie die Anzeichen für den herannahenden Ersten Weltkrieg einfach ignoriert hatten.
Nach dem Krieg werden viele dieser Kreise weitergeführt oder neu gegründet. Alfred Weber veranstaltet nun Soziologenabende, bei denen verschiedene Meinungen zu den politischen und gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart offen diskutiert werden.