In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist es für einige Studenten einer Art Sport, wenigstens einmal während ihres Studiums in den Karzer zu kommen. Der Einzug in den Karzer wird gerne als karnevalsartige Karikatur der Obrigkeit gestaltet:
Die Kommilitonen des Verurteilten verkleiden sich als Richter, Henker und Klageweiber und geleiten ihn mit großem Getöse zum Antritt seiner Haftstrafe.
Theoretisch darf man von hier aus durch einen Verbindungsgang in die Alte Universität gehen, um an den Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Weiterhin ist es erlaubt, sich eigene Bettwäsche mitzubringen, nach den ersten Tagen bei Wasser und Brot sich Essen und Trinken liefern zu lassen und auch noch Besuch zu empfangen.
Insgesamt ist das Karzerleben also recht komfortabel und unterhaltsam, und so wird die Haft eher genutzt, um Lehrveranstaltungen zu schwänzen, ausgiebig Karten zu spielen, und vor allem um Wände und Decken mit Malereien und Gedichten zu verzieren.
Diese zeigen auffällig oft Wappen, Monogramme und Farben der studentischen Verbindungen. In ihnen war etwa ein Drittel der Studenten organisiert. Verbindungsmitglieder waren, wie es in der Festschrift von 1886 heißt:
„allezeit aus demjenigen Teile der Studentenschaft hervorgegangen, welcher in seinem Vermögen nicht sehr beschränkt war“.
Das heißt im Klartext: Gerade Verbindungsstudenten können sich problemlos die Gebühren leisten, die für Aufnahme und Aufenthalt im Karzer, für die Entlassung, sowie für Feuerholz und Licht an den Pedell zu entrichten waren.