Raum 7 – Der Schuster
 
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Das Handwerk der Schuster zählt zu den ältesten Gewerken überhaupt: Sie waren für die Herstellung lederner Schuhe, Sandalen und Stiefel zuständig – nicht aber für deren Reparatur. Die besorgte der Flickschuster. 

Als Werkzeug dienten Ahlen, Hämmer, Leisten, Dreifuß, Messer, Nadeln, Raspeln und Zangen.

Da Schuhe nicht nur modische Bekleidung oder Statussymbole, sondern Notwendigkeit waren, bestanden sie oft aus Holz oder Stroh und nicht immer aus Leder. Das Handwerk des Holzschuhmachers war in Deutschland noch bis in die 1940er-Jahre verbreitet.

Weil ihr Handwerk nur ein geringes Einkommen abwarf, betrieben viele Schuhmacher neben ihrer Werkstatt eine kleine Landwirtschaft. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entzog den meisten Schuhmachern die Existenzgrundlage. Als Ausweg wählten manche den Beruf des Flickschusters oder Schuhhändlers.

Oft konnten sich die Schuster keine extra Werkstatt leisten. Deshalb richteten sie sich ihren Arbeitsplatz in der warmen Stube ein. Alles, was sie dazu brauchten, fand auf einem Podest mit vier Füßen Platz, der sogenannten Schusterbrücke. Damit der Arbeitshocker nicht zu viel Platz wegnahm, stand er am Rand mit nur zwei Beinen auf dem Podest. Das dritte Bein stand neben der Brücke und war zum Ausgleich des Höhenunterschiedes entsprechend länger.

Ein merkwürdiges Utensil am Arbeitsplatz ist ein Holzgestell mit vier hängenden Glaskugeln und einer Kerze in der Mitte. Diese Vorrichtung sorgte früher, als es noch kein elektrisches Licht gab, für die Beleuchtung in der Schusterwerkstatt. Die Schusterkugeln wurden mit destilliertem Wasser gefüllt und verstärkten so, wie bei einem Brennglas, das Licht der Kerze. 

In vielen Schusterstuben hing auch ein Vogelkäfig mit einem Kanarienvogel. Aber nicht, weil Schuster große Vogelliebhaber waren, sondern als Warnfunktion. Der Schuster hat mit viel Leim und sonstigen giftigen Stoffen zu arbeiten, deren Ausdünstung sich in der ganzen Stube ausbreitete. Hatte der Kanarienvogel genug Sauerstoff, dann sang er. Hörte er auf zu singen, taumelte er oder fiel von seiner Sitzstange, dann war zu wenig Sauerstoff in der Luft und es war höchste Zeit, die Werkstatt zu lüften.

Als letzte ihres Faches in Markt Erlbach zog Schusterin Herta Pfeiffer noch bis 2020 das Leder über die Leisten.