Das Anfertigen der Bekleidung war früher Aufgabe der Frauen innerhalb der Familie. Der Beruf des Schneiders entwickelte sich im 12. Jahrhundert, als an den Höfen eine neue Mode entstand: Kleidungsstücke angepasst an die Körperform.
Auf dem Land nähten und reparierten die Schneider die Kleidung für die dörfliche Bevölkerung. Der Schneidermeister, dessen entscheidende Qualifikation die Herstellung und Verwirklichung von Schnitten war, übernahm das Zuschneiden der Kleidungsstücke: Der Stoff durfte weder verschnitten noch vergeudet werden. Die anschließende Näharbeit war Aufgabe der Lehrlinge und Gesellen.
Mit der industriellen Anfertigung von Kleidung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerieten die handwerklich arbeitenden Schneider in Not. Durch die Einführung der mechanischen Nähmaschine war ihr Einkommen eher bescheiden. Fortan gab es zwei Bereiche: die industriellen Modeschneider und den Maßschneider. Heute helfen noch kleine Änderungsschneidereien, dass die Kleider sitzen.
Vom anfänglich geringen Ansehen der Schneider zeugen noch viele Redewendungen wie „Er friert wie ein Schneider“, „aus dem Schneider sein“, „Herein, wenn’s kein Schneider ist“, oder das Märchen „Vom tapferen Schneiderlein“.