Raum 13 – Jüdische Geschichte in Markt Erlbach
 
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In der Marktgemeinde entwickelte sich im Laufe von etwa 800 Jahren auch eine jüdische Gemeinde. Doch Ritter Rintfleisch aus Röttingen im Taubertal rottete mit seinen „Judenschlägern“ 1298 überall in Franken die jüdischen Gemeinden aus – auch in Markt Erlbach. Der Grund? Angeblich schändeten Juden in seinem Heimatort die Hostien.

Gut 200 Jahre später, 1532, fanden sich erneut Hofstellen von Juden in Markt Erlbach. Sie standen unter markgräflichem Schutz. In der Zeit vor 1618, dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges, wohnten Juden in der „Judentauche“, einem Ghetto am nordwestlichen Ortsrand.

1714 belegen Quellen nur noch zwei jüdische Anwesen. Doch ein halbes Jahrhundert darauf, 1776, lebten erneut 43 Juden auf acht Herdstellen in Markt Erlbach. Bis 1860 wuchs ihre Gemeinde auf 55 Mitglieder in elf Familien. Der Broterwerb durch Handel und Finanzgeschäfte war ihnen erlaubt. Meist übten sie den Beruf des Vieh- oder Pferdehändlers, des Stoff- und Kurzwarenhändlers aus. Die Markt Erlbacher bewilligten den Bau einer Synagoge und einer Judenschule, die bis 1900 in Betrieb war.

Ab 1933 wurden auch die 12 in Markt Erlbach ansässigen Juden Opfer der nationalsozialistischen Vertreibung: Am 8. November 1938 wies die Verwaltung den letzten Juden an, Markt Erlbach innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Von acht geflüchteten jüdischen Bürgern haben sich die Unterlagen ihrer Ermordung erhalten.

Die Synagoge in Markt Erlbach wurde 1968 abgerissen. Aus dem Jahr 1892 ist ein Umbauplan des Gebäudes erhalten. Zusammen mit Zeitzeugenaussagen vom Abriss, einem Foto und Vergleichsbefunden aus Franken ermöglicht der Plan, den Synagogen-Bau im Modell schematisch wiederauferstehen zu lassen.

Um den engen Raum optimal zu nutzen, führte eine Außentreppe nach oben zu den beiden separaten Eingängen: in die „Männerschul“ vorne und die beheizte „Frauenschul“ hinten. Beide Abteilungen waren durch einen Sichtschutz aus einer oben offenen, schalldurchlässigen Panelwand abgeteilt. So konnten die Frauen dem Gottesdienst folgen, während die Männer nicht von unzüchtigen Gedanken abgelenkt wurden.

Eine ausführliche Beschreibung dazu und Informationen zu weiteren Themen bietet die Hörstation nebenan.